Generationen von Studierenden leben allerorten mit dem Wissen: Die besten Partys finden in der Küche statt. Kaum einer kennt sich, aber auf den Tisch kommt, was der Gemeinschaftskühlschrank so hergibt. Dazu noch ein paar Getränke und der Abend läuft. Die experimentierfreudigen Deluxe-Weiterentwicklungen dieser Küchenpartys nennen sich Supper Clubs und sind ein weltweiter, meist großstädtischer Trend. Hier kochen Hobby- oder Profiköche mal in privaten, mal in angemieteten Räumen – mal gegen Spenden, mal gegen Festpreise für ihre Gäste, die sich im Idealfall im Vorfeld nicht kennen. Die handverlesenen Menüs, oft mit regionalen und saisonalen Zutaten, stehen genauso im Mittelpunkt wie das ungezwungene Küchenparty-Gefühl.
Mit dem „Pink Banana Supper Club“ wollen Jessica Mulzac und Christian Guder dieses Konzept nach Jena bringen. Die beiden Gründer:innen erzählen in unserem Blogbeitrag von ihrem Weg dorthin.
Christian: Als ich ein Kind war – ich bin auf dem Land in Ostdeutschland groß geworden – da ist man einmal im Jahr in die Gaststätte gegangen. Zu Hause wurde eigentlich immer gegessen, was der Stall und das Feld so hergaben. Wenn wir mal ins Restaurant gingen, war das schon etwas Besonderes. Da gab es dann Pommes oder Würzfleisch – was eben so in ostdeutschen Gaststätten angeboten wurde. Die große kulinarische Vielfalt habe ich erst als Erwachsener kennengelernt.
Jessica: Wir waren nie außerhalb essen. Meine Kindheit in London basierte auf der Küche meiner Eltern. Das war viel traditionell karibisches Essen aus Jamaika und Trinidad und Tobago. Aber jeden Freitagabend gab es zu unserem Vergnügen etwas aus der chinesischen oder indischen Küche, manchmal auch Fish and Chips. Sonntags dagegen war das Essen immer ein großes Event. Meine Mama bereitete meist schon am Vorabend vieles vor, briet Fleisch, machte Salate und Beilagen. So habe ich schon früh angefangen, gemeinsam mit meiner Mom zu kochen und später dann alleine. Heute arbeite ich in einer Mensa als Köchin – dort arbeite ich zwar mit Essen, allerdings nicht auf die Art, wie ich es gern tun würde. Das ist auch ein Grund, warum ich mich so für die Idee des Supper Clubs interessiere.
Christian: Ich dagegen habe beruflich gar nichts mit Essen zu tun. Ich arbeite bei einer Maschinenbaufirma. Privat interessiere ich mich aber schon dafür. Uns ist es zum Beispiel sehr wichtig, abends zusammen warm zu essen. Oft kocht Jesse, manchmal ich – wobei meine Palette des Kochens recht limitiert ist. Da unsere Arbeit recht stressig ist, würden wir abends gern öfter etwas bestellen. Doch jedes Mal sage ich schon im Vorfeld voraus, dass wir es bereuen werden, zu bestellen. Und das trifft dann leider auch meistens zu. Positive Überraschungen sind da eher selten. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass wir vorher in London und Berlin gelebt haben – da hat man kulinarisch schon eine andere Auswahl.
Jessica: Das stimmt. An den Restaurants hier stört mich häufig, dass sie oft auf Masse statt Klasse setzen. Außerdem ist besonders ausländisches Essen stark an den deutschen Geschmack angepasst. Das Essen hat seine Originalität verloren. Hinzu kommt, dass wir für das Geld, was wir für Takeaways bezahlen würden, letztlich schon gute Zutaten bekommen.
Christian: Wir selbst haben hier in Jena vielleicht fünf Restaurants, in die wir ab und zu gehen. Wenn wir aber richtig gut essen gehen wollen, fahren wir aus Jena raus. So schwelte in uns schon lange das Gefühl, dass der Bereich Essen hier noch nicht ausreichend abgedeckt ist. Manche Geschmacksrichtungen, wie die karibische Küche, gibt es beispielsweise gar nicht. Wir waren beide schon einmal selbstständig und wollten nicht wirklich ein eigenes Restaurant eröffnen. Das finanzielle Risiko war uns einfach zu hoch. Allein die Mieten und Energiepreise. Außerdem wollten wir nicht in die typische Restaurant-Falle tappen und möglichst viele Speisen anbieten müssen, um unsere Kundschaft zu befriedigen. So haben wir nach einer Idee gesucht, bei der wir uns ausprobieren können, ohne ins volle finanzielle Risiko zu gehen. Als ich von dem StadtLab Ideenwettbewerb erfahren habe, bin ich sofort heim und habe Jesse davon erzählt.
Jessica: Als Christian zu mir kam und von dem Ideenwettbewerb erzählte, entstand schnell der Gedanke, einen Supper Club anzubieten. Es war die Chance, meinen Traum von einem kleinen Restaurant mit eigenem, guten Essen, ohne größere Risiken, zu verwirklichen und der Stadt etwas zu geben, was sie meiner Ansicht nach braucht. Konkret war meine Idee, einmal im Monat ein solches Event an einem vorher geheimen Ort in Jena anzubieten. Wenn es möglich ist, so der Gedanke, wollte ich mit anderen lokalen Restaurants zusammenarbeiten. Beispielsweise wenn diese einen freien Tag haben. Es sollten bestimmte Themenabende sein, die sowohl kulinarisch als auch kulturell ihren Platz in Jena finden.
Christian: Wir haben beispielsweise einen Testabend unter dem Motto „Jesses Kindheitserinnerungen“ hier im StadtLab gemacht. Der Gedanke dahinter war: Wie kann unser Geschmack Kindheitserinnerungen hervorrufen? Zu unseren Supper-Club-Dinnern servieren wir immer ein Drei-Gänge-Menü: ein Starter, ein Hauptgericht und ein Dessert, dazu kommen noch Wein und Getränke. Zwischen den Gängen laden wir Künstler:innen ein. An besagtem Testabend hatten wir beispielsweise einen Fotografen da, der passenderweise eine Fotoausstellung zum Thema „Memories and how to get them“ zeigte. Es geht uns letztlich darum, 10 bis 20 wildfremde Menschen an einem Tisch zusammenzubringen und einen tollen Abend zu haben.
Jessica: Einem großen Tisch… Es soll ja keine Restaurantatmosphäre aufkommen. Alle sitzen zusammen. Vielleicht treffen so Menschen, die neu in Jena sind, auf welche, die hier schon lange wohnen. Es ist ein soziales Event. Das ist die ganze Idee. Auch wir selbst sitzen mit den Gästen zusammen am Tisch und sind nicht von ihnen separiert. Gemeinsam genießen wir den Abend.
Auf gute Planung kommt es an
Christian: Das funktioniert natürlich nur, wenn man möglichst viel vorbereitet. Wir haben zu Hause neben unserer normalen Küche noch eine Art Hauswirtschaftsraum mit Küche, wo wir solche Events gut vorbereiten können. So können wir bezüglich der Räumlichkeiten für die Pink-Banana-Abende kreativ und offen sein und auch in weniger gut ausgestattete Orte gehen. Logistisch ist das dann natürlich herausfordernd. Stühle für 20 Personen, ein riesiger Tisch, Geschirr, Essen – all das muss hin – und nach dem Event wieder fortgebracht werden. Dafür war das Testevent im StadtLab natürlich prima. So haben wir gesehen, was wir überhaupt brauchen. Wir haben auch gemerkt, dass der schwierigste Part die Logistik ist. Um alles unterzubringen, mussten wir Lagerräume anmieten. Wir waren an dem Testabend erst nachts um zwei zu Hause.
Jessica: Das Testessen im StadtLab gab uns auch die Möglichkeit, zu sehen, für wie viele Personen wir überhaupt kochen können. Wir haben hier wirklich viel gelernt. Und es gab gutes Feedback. Um möglichst viele Informationen zu erhalten, hatten wir unseren Gästen einen Fragebogen gegeben. Wir haben sie beispielsweise gefragt, ob sie den Wein lieber extra oder im Preis inkludiert haben wollen oder ob sie lieber im Vorfeld wissen wollen, was es zu essen gibt, oder sich überraschen lassen wollen.
Christian: Für uns war das eine gute Chance, etwas über den Markt zu erfahren. Interessanterweise haben fast alle angekreuzt, dass sie das Menü vorher nicht wissen wollen.
Jessica: Ja, viele wollten nicht einmal im Vorfeld wissen, wo die Location ist. Sie freuen sich über den Überraschungseffekt. Das ist natürlich auch für Christian und mich lustig. So können wir viel freier agieren und es nimmt uns den Druck, dass Leute schon im Vorfeld sagen: „Ich esse dies nicht und ich esse das nicht.“ Schließlich kann man nie jeden glücklich machen. Das ist unmöglich. Das Wichtigste aber, was wir auf dem Probe-Event gelernt haben, ist: Wir wollen Spaß haben. Ich möchte kreativ sein, neue Orte und Gerichte ausprobieren. Ich möchte mich nicht unter Druck gesetzt fühlen. Was auch immer passiert, das passiert. Auch wenn mal etwas schiefgeht, ist das ein Teil unserer Reise und die soll uns Spaß machen.
Christian: Am Ende machen wir das, weil wir uns für die Stadt engagieren wollen, aber natürlich soll sich der Aufwand auch wenigstens etwas finanziell lohnen.
Jessica: Klar. Aber am Ende ist es für uns ein Fun-Event. Das soll sich nicht wie Arbeit anfühlen. Ich mag es unter Menschen zu sein, ich mag essen und kochen. Wir wollen das einmal im Monat machen, aber vielleicht finden sich ja auch andere Menschen, die solche Events hier etablieren wollen. Eine Supper Club Community…
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